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Warum hat Bitcoin eigentlich einen Wert?

Über Knappheit, Vertrauen und den Versuch, heute erarbeitete Kaufkraft für morgen zu bewahren

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Über Knappheit, Vertrauen und den Versuch, heute erarbeitete Kaufkraft für morgen zu bewahren

Bitcoin kann man nicht essen. Man kann darin nicht wohnen, und wenn es kalt wird, wärmt ein Bitcoin auch nicht. Trotzdem geben Menschen Geld dafür aus – manche ziemlich viel. Wofür eigentlich?

Die Frage ist berechtigt. Wer Bitcoin verstehen möchte, sollte sie stellen, bevor er sich mit dem nächsten Kursziel beschäftigt. Denn ein steigender Preis erklärt noch keinen Wert. Er zeigt zunächst nur, dass Käufer bereit sind, mehr zu bezahlen als zuvor.

Um weiterzukommen, müssen wir überlegen, weshalb wir Dinge überhaupt wertvoll finden – und welche Aufgabe Geld in unserem Leben erfüllt.

Wert hängt davon ab, was wir brauchen

Stell dir vor, du stehst nachts mit einem leeren Handy an einem fremden Bahnhof. Eine Steckdose kann dir in diesem Moment wichtiger sein als ein teures Gemälde. Am nächsten Morgen, zu Hause, denkst du über dieselbe Steckdose kaum noch nach.

Die Steckdose hat sich nicht verändert. Deine Situation schon.

Wert hängt davon ab, was ein Mensch mit etwas anfangen kann, welche Alternativen er hat und worauf er dafür verzichten müsste. Deshalb können zwei Menschen denselben Gegenstand sehr unterschiedlich bewerten, ohne dass einer von beiden falschliegt.

Gigi beschreibt in der zehnten seiner 21 Lessons Wert als subjektiv, aber durch Eigenschaften und Bedürfnisse begründbar. Für Bitcoin ist das ein hilfreicher Ausgangspunkt: Wir müssen verstehen, welche Eigenschaften Menschen daran schätzen und welche Probleme diese für sie lösen.

Selten allein reicht nicht

Ich könnte auf einen Zettel eine Zahl schreiben, ihn unterschreiben und erklären, dass es davon weltweit nur ein einziges Exemplar gibt. Die Knappheit wäre beeindruckend. Die Nachfrage vermutlich überschaubar.

Dass die Gesamtmenge nach den geltenden Bitcoin-Regeln auf knapp 21 Millionen begrenzt ist, erklärt deshalb für sich genommen noch keinen Preis. Eine begrenzte Menge wird erst wirtschaftlich interessant, wenn Menschen diese Einheiten haben wollen.

Die Reihenfolge ist entscheidend: Wofür wird etwas gebraucht? Weshalb bevorzugen Menschen es gegenüber anderen Möglichkeiten? Und wie leicht lässt sich das Angebot ausweiten, wenn die Nachfrage steigt?

Wer nur über die 21 Millionen spricht, beantwortet die dritte Frage. Die ersten beiden bleiben offen.

Welchen Nutzen bietet Bitcoin

Bitcoin ermöglicht es, digitale Werte direkt zu übertragen, ohne dass eine Bank das Guthaben verwahren und die Zahlung abwickeln muss. Kryptografische Signaturen autorisieren die Übertragung. Gemeinsame Regeln und die Prüfung durch das Netzwerk verhindern, dass dieselben Einheiten mehrfach ausgegeben werden.

Für jemanden mit einem funktionierenden Bankkonto und einer bequemen Bezahlkarte mag dieser Unterschied im Alltag wenig bedeuten. Das ist verständlich. Eine Alternative wird besonders dort interessant, wo die bisherige Lösung an Grenzen stößt.

Wer Werte selbst verwahren möchte, kann bei Bitcoin die nötigen Schlüssel selbst kontrollieren. Wer Bitcoin an jemanden in einem anderen Land überträgt, benötigt dafür keine Bank, die diese Zahlung abwickelt. Wer die Geldregeln selbst prüfen möchte, kann eine Full Node betreiben: einen Rechner mit Bitcoin-Software, die Transaktionen und Blöcke unabhängig auf die Einhaltung der Regeln prüft.

Diese Möglichkeiten haben Bedingungen. Das Netzwerk muss erreichbar sein, Transaktionen kosten Gebühren, und die eigene Schlüsselverwaltung verlangt Sorgfalt. Eine falsche Überweisung lässt sich gewöhnlich nicht zurückholen. Bei einer Verwahrung auf einer Börse entstehen wiederum Abhängigkeiten vom Anbieter.

Trotzdem liegt hier ein nachvollziehbarer Nutzen: Manche Menschen möchten digitale Werte halten und übertragen können, ohne dafür die Zustimmung eines einzelnen Finanzdienstleisters zu benötigen. Diese Möglichkeit kann ihnen etwas wert sein.

Hinzu kommt, dass andere Menschen Bitcoin bereits kennen und akzeptieren. Regeln für eine digitale Währung mit begrenzter Menge lassen sich entwerfen. Menschen dafür zu gewinnen, sie anzunehmen, zu halten und ihre Infrastruktur mitzutragen, ist erheblich schwieriger. Zum Nutzen der Regeln kommt deshalb das Netzwerk derjenigen, die sie verwenden.

Warum überprüfbare Knappheit zählt

Bei vielen Gütern führt ein höherer Preis dazu, dass mehr produziert wird. Das kann aufwendig sein und lange dauern, aber die Aussicht auf zusätzliche Einnahmen setzt einen Anreiz.

Bei Bitcoin erlaubt ein höherer Preis nach den bestehenden Regeln keine beliebige zusätzliche Ausgabe. Auch mehr Rechenleistung hebt die zulässige Menge neuer Bitcoin pro Block nicht an. Eine Full Node weist Blöcke zurück, die gegen die von ihr angewendeten Regeln verstoßen.

Natürlich ist Bitcoin Software, und Software lässt sich ändern. Jeder kann eine Variante mit anderen Regeln veröffentlichen. Andere Teilnehmer müssen diese Regeln jedoch nicht übernehmen. Wer allein die Mengenbegrenzung erhöht, kann den übrigen Teilnehmern keine zusätzlichen Bitcoin aufzwingen.

Das macht die Begrenzung zu mehr als einer Aussage auf einer Website. Sie lässt sich technisch überprüfen und wird von Teilnehmern durchgesetzt, die diese Regeln verwenden. Für Menschen, denen eine verlässlich begrenzte Geldmenge wichtig ist, kann darin ein Nutzen liegen.

Geld verbindet heute mit morgen

Wenn du Geld verdienst und einen Teil davon zurücklegst, verschiebst du einen möglichen Kauf in die Zukunft. Du könntest heute etwas ausgeben. Stattdessen möchtest du später darüber verfügen: für eine Reparatur, eine Reise, eine Zeit ohne Einkommen oder mehr Freiheit bei der Wahl deiner Arbeit.

Du hast heute etwas geleistet und hoffst, dir morgen dafür etwas leisten zu können.

In Bitcoin Is Time verbindet Gigi Geld mit Zeit. Für den Alltag lässt sich daran eine einfache Frage anschließen: Wie bewahren wir Kaufkraft zwischen dem Moment, in dem wir sie erarbeiten, und dem Moment, in dem wir sie brauchen?

„Gespeicherte Lebenszeit“ ist dafür ein anschauliches Bild. Hinter Ersparnissen stehen häufig Arbeitsstunden, Mühe und aufgeschobene Wünsche. Geld bewahrt diese Stunden nicht unmittelbar. Es soll ermöglichen, später auf Leistungen anderer zurückzugreifen.

Deshalb interessiert es Menschen, nach welchen Regeln ihr Geld entsteht und wie sich seine Kaufkraft entwickeln könnte. Bitcoins vorhersehbare Ausgabe und seine begrenzte Gesamtmenge sprechen manche Menschen an, die langfristig sparen möchten.

Eine vorhersehbare Geldmenge bedeutet allerdings keine vorhersehbare Kaufkraft. Wie viel du später für Bitcoin bekommst, hängt auch davon ab, wie gefragt es dann ist. Selbst bei unveränderten Regeln kann seine Kaufkraft stark sinken.

Nutzen und Marktpreis sind verschiedene Fragen

Zwei Menschen können dieselben Eigenschaften von Bitcoin kennen und trotzdem zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen. Einer schätzt die eigene Verwahrung. Ein anderer möchte diese Verantwortung lieber abgeben. Einer hält die langfristigen Aussichten für überzeugend. Ein anderer sieht vor allem technische Risiken und unsichere Nachfrage.

An einem Markt treffen solche Einschätzungen aufeinander. Der Preis entsteht dort, wo Käufer und Verkäufer tatsächlich handeln. Dabei spielen neben dem heutigen Gebrauch auch Erwartungen an die Zukunft eine Rolle. Manche kaufen Bitcoin, weil sie es verwenden oder als Ersparnis halten möchten. Andere hoffen vor allem darauf, es später teurer zu verkaufen. Häufig vermischen sich diese Motive.

Spekulation gehört deshalb zur Erklärung des Preises. Erwartungen können die Nachfrage verstärken und den Kurs steigen lassen. Werden sie enttäuscht, kann sich die Bewegung umkehren. Die technischen Eigenschaften können dabei unverändert bleiben, während sich ihre Bewertung am Markt erheblich verändert.

Auch der Stromverbrauch beim Mining liefert keine Preisgarantie. Rechenarbeit hilft, die Transaktionsgeschichte gegen nachträgliche Änderungen abzusichern. Die dabei entstehenden Kosten verpflichten jedoch niemanden, Bitcoin zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Aufwand allein erzeugt keine Nachfrage.

Wer Bitcoins Nutzen überzeugend findet, hat damit noch nicht gezeigt, dass jeder verlangte Kaufpreis angemessen ist.

Was Menschen an Bitcoin wertvoll finden

Bitcoin erzeugt keine Unternehmensgewinne, zahlt aus sich heraus keine Dividenden und gibt seinem Besitzer keinen Anspruch auf die Einlösung in Gold oder Euro. Seine Bewertung hängt wesentlich davon ab, welchen Nutzen Menschen ihm heute und künftig als Geld oder Vermögenswert zutrauen.

Das macht die Bewertung schwierig. Es erklärt zugleich, weshalb der Hinweis „Bitcoin ist doch nur digital“ zu kurz greift. Entscheidend ist, was Menschen mithilfe dieses digitalen Systems tun können und wie wichtig ihnen das ist.

Bitcoin hat einen Marktwert, weil Menschen bereit sind, etwas dafür herzugeben. Seine begrenzte Menge, die Möglichkeit eigener Verwahrung und die Übertragung ohne zentrale Abwicklungsstelle können diese Bereitschaft begründen. Hinzu kommen Erwartungen an seine künftige Verbreitung und die Aussicht auf Kursgewinne.

Für eine fundierte Einschätzung müssen wir deshalb beides betrachten: die Eigenschaften des Systems und die Erwartungen seiner Käufer. Die Eigenschaften erklären, was Bitcoin ermöglicht. Die Erwartungen helfen zu erklären, welcher Preis dafür bezahlt wird.

Welche Eigenschaften erwartest du selbst von Geld? Wie viel Kontrolle möchtest du haben? Was möchtest du überprüfen können? Welche Verantwortung und welche Risiken würdest du dafür übernehmen, heute erarbeitete Kaufkraft für morgen zu bewahren?

Bitcoin gibt darauf eine ungewöhnliche Antwort. Was diese Antwort wert ist, entscheiden Menschen.

Quellen und weiterführende Texte

  • Gigi – Bitcoin Is Time: Geld und Zeit sowie die zeitliche Ordnung von Transaktionen. Die Verbindung zur persönlichen Sparentscheidung wird hier eigenständig entwickelt.
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